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Pitchdeck

Ein Pitchdeck ist eine kurze Präsentation, mit der ihr eine Geschäftsidee vorstellt, klassischerweise vor Investoren, im Projektkontext vor dem Dozenten, einem Fachpublikum oder einem fiktiven Auftraggeber. Es ersetzt keinen Businessplan, sondern erzeugt Interesse: Nach dem Pitch soll das Publikum verstanden haben, welches Problem ihr löst, für wen, und warum ausgerechnet ihr.

Die Faustregel dafür stammt von Guy Kawasaki, die 10/20/30-Regel:

  • 10 Folien: mehr kann sich niemand merken
  • 20 Minuten: auch wenn ihr einen 60-Minuten-Slot habt
  • 30 Punkt Schriftgröße: zwingt euch, Text wegzulassen

Die klassische Struktur

Die folgende Reihenfolge hat sich als Standard etabliert (Sequoia Capital, Y Combinator, Kawasaki unterscheiden sich nur in Details). Sie ist eine Erzählung: Problem → Lösung → Beweis, dass daraus ein Geschäft wird.

#FolieKernfrageWas drauf gehört
1Titel & VisionWer seid ihr, in einem Satz?Name, Logo, One-Liner ("Wir sind X für Y")
2ProblemWer leidet woran?Konkreter Schmerz einer konkreten Zielgruppe, möglichst mit Beleg
3LösungWie löst ihr es?Euer Ansatz in einem Bild oder drei Punkten, noch keine Feature-Liste
4Warum jetzt?Warum hat das nicht schon jemand gemacht?Technologischer, regulatorischer oder gesellschaftlicher Wandel
5MarktgrößeWie groß kann das werden?TAM / SAM / SOM (siehe unten), nachvollziehbar hergeleitet
6ProduktWie fühlt es sich an?Screenshots, Demo, Nutzerreise; der emotionale Höhepunkt
7GeschäftsmodellWomit verdient ihr Geld?Preismodell, Umsatz pro Kunde, Kostenstruktur
8WettbewerbWarum ihr und nicht die?Ehrliche Einordnung + euer klarer Unterschied
9Go-to-MarketWie kommt ihr an Kunden?Erste Kanäle, Vertriebslogik, Kosten pro Kunde
10TeamWarum könnt gerade ihr das?Relevante Kompetenzen, nicht vollständige Lebensläufe
11TractionWas habt ihr schon erreicht?Nutzer, Pilotkunden, Prototyp, Meilensteine
12AskWas wollt ihr?Konkrete Bitte (Budget, Partner, Freigabe) und wofür

Folien 11 und 12 sind die häufigsten Ergänzungen zu Kawasakis Zehn. Wenn ihr auf zehn kommen müsst: Traction in die Team-Folie integrieren, Warum jetzt? in die Problem-Folie.

Reihenfolge ist nicht verhandelbar, Gewichtung schon

Das Publikum erwartet diesen Ablauf und hört entsprechend zu. Wie viel Zeit ihr auf eine Folie verwendet, hängt aber von eurer Geschichte ab. Bei einem technisch schwierigen Produkt darf die Lösung länger dauern, bei einem umkämpften Markt der Wettbewerb.

Marktgröße: TAM, SAM und SOM

Folie 5 ist die, an der die meisten Pitches scheitern. Entweder wird eine unrealistisch große Zahl behauptet („der Markt ist 40 Mrd. €, wir brauchen nur 1 %"), oder es existiert gar keine Herleitung. Das Standardmodell dafür sind drei ineinanderliegende Märkte:

TAMGesamtmarktSAMerreichbarer MarktSOMrealistischerMarktanteil
EbeneAusgeschriebenBedeutungBeispiel: Terminbuchung für Arztpraxen
TAMTotal Addressable MarketDer gesamte Markt, wenn ihr jeden denkbaren Kunden weltweit gewinntAlle Praxisverwaltungs-Software weltweit
SAMServiceable Available MarketDer Teil, den ihr mit eurem Produkt in eurer Region überhaupt bedienen könntTerminbuchung für Praxen in Deutschland
SOMServiceable Obtainable MarketDer Anteil, den ihr in den nächsten Jahren realistisch gewinnt3 % der bayerischen Hausarztpraxen in 3 Jahren

Wie ihr die Zahlen herleitet

Es gibt zwei Wege, und ihr solltet beide rechnen. Wenn sie in derselben Größenordnung landen, ist eure Schätzung plausibel:

Top-down geht von einer Marktstudie aus und schneidet Segmente heraus:

Markt für Praxissoftware in Deutschland (Studie): 800 Mio. € → davon Terminmanagement ca. 15 % → SAM ≈ 120 Mio. €

Bottom-up rechnet von der einzelnen Kundenbeziehung hoch. Das ist der überzeugendere Weg:

55.000 Hausarztpraxen in Deutschland × 1.800 € Jahreslizenz = SAM ≈ 99 Mio. € davon 3 % in 3 Jahren = SOM ≈ 3 Mio. € ARR

Der „1 % vom Riesenmarkt"-Fehler

"Der Markt ist 40 Mrd. € groß, wir brauchen nur 1 %" ist das klassische Warnsignal. Es sagt nichts darüber aus, wie ihr diese Kunden gewinnt. Umgekehrt argumentieren: Wie viele Kunden schafft ihr pro Monat, was zahlen sie, was ergibt das nach drei Jahren? Diese Zahl ist kleiner, aber verteidigbar.

Häufige Fehler

  • Zu viel Text. Die Folie ist die Illustration, ihr seid die Erzählung. Wer die Folie vorliest, ist überflüssig.
  • Lösung vor Problem. Wer nicht verstanden hat, wem was wehtut, hört bei der Lösung nicht zu.
  • "Wir haben keinen Wettbewerb." Das heißt entweder, es gibt keinen Markt, oder ihr habt nicht recherchiert. Der Status quo (Excel, Telefon, Papier) ist immer ein Wettbewerber.
  • Feature-Aufzählung statt Nutzen. Nicht "OAuth2-Login, REST-API, Docker-Deployment", sondern was der Kunde dadurch kann.
  • Zahlen ohne Quelle. Jede Marktzahl braucht eine nachvollziehbare Herleitung oder eine Quellenangabe auf der Folie.
  • Kein Ask. Ein Pitch ohne konkrete Forderung am Ende endet in Höflichkeit statt in einer Entscheidung.

Für euer Projekt

Auch wenn ihr keine Firma gründet: Die Struktur zwingt euch, euer Projekt aus Nutzersicht zu erklären statt aus Architektursicht. Für die Abschlusspräsentation lohnt sich eine angepasste Fassung:

  • Problem, Lösung, Produkt, Team bleiben unverändert
  • Marktgröße wird zu „Wer würde das nutzen, und wie viele sind das?"
  • Traction wird zu eurem Projektstand: Was läuft, was ist getestet, was fehlt
  • Ask wird zum Ausblick: Was bräuchte es, um daraus ein echtes Produkt zu machen

Die Demo (Folie 6) ist dabei euer stärkstes Argument. Plant sie ein, probt sie, und haltet Screenshots als Fallback bereit. Live-Demos scheitern zuverlässig genau dann, wenn Publikum zusieht.